Friedrich Press in St. Antonius

Friedrich Press (1904 - 1990)

Bildhauer und Grafiker - äußerte sich zu seiner Arbeit am 10.09.1978 in St. Antonius wie folgt zur Gemeinde:

„Herr Pfarrer Kirschstein bat mich, zu meiner Arbeit Ihnen meine Gedanken zu sagen. Das ist für mich nicht so leicht, denn ich bin Bildhauer und habe mit dieser Arbeit bereits alles gesagt.

Herr Architekt Starke hat Ihnen den architektonischen Aufbau soeben gezeigt. Nachdem beschlossen war, dass die Apsis zugemauert und in diese Wand hinein die Orgel gebaut werden sollte, der Altar in die Mitte der Vierung gestellt werde, brauchte ich unbedingt ein großes, gewaltiges Zeichen, damit der Orgelprospekt nicht nur als Dekoration hinter dem Altar wirkt.

Was bot sich da eher an als ein Kreuz; aber nur ein Kreuz und das in dieser Größe? Nein! Das blieb auch nur Dekoration. Aber an dieses riesig große Kreuz (8 m) einen Korpus - einen Korpus von mehreren Metern - und den vielleicht noch realistisch, unmöglich. Das würde uns den ganzen Raum zerschlagen. So wählte ich diesen Weg. Ich gestaltete das Kreuz zur Figur; nicht zu einem Abbild.
Dass Christus so nicht ausgesehen hat, weiß ich auch. Bitte, verstehen Sie mich jetzt nicht falsch. Ich habe absichtlich nur ein Zeichen gesetzt, ein Symbol. Ein Symbol, dass uns stets herausfordert, uns immer wieder an Christi Tod und Auferstehung erinnert.

Ich hoffe, dass mir das gelungen ist. Als Thema wählte ich: „Durch das Kreuz zur Auferstehung. Nun lasse ich, wie bei allen meinen Arbeiten, alle Fragen offen, so dass jeder sich seine Gedanken machen kann und soll.

Jeder kann und muss sich selber hineinschauen und sich leiten lassen. Falsch ist, diese Arbeit mit den Augen eines Realisten zu sehen und dann zu fragen: „Warum ist das so und nicht so?“ „Warum ist die Linie so?“ „So sieht doch Christus nicht aus.“
Alle Christusdarstellungen, die in zwei Jahrtausenden gemacht wurden, sind keine Abbilder, sind Symbole bis zur Abstraktion. Ich stelle an jeden Gläubigen und Beschauer den hohen Anspruch, dass er selber mitarbeitet und mitdenkt. Dieser Weg ist nicht immer leicht und einfach. Er ist uns in der Kirche ungewohnt. Wir sind so erzogen, dass alles in der Kirche selbstverständlich ist. Wir brauchen nicht erst fragen und nachdenken. Aber die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts hat uns viel Neues gebracht, und durch das Konzil ist viel Neues aufgetan und vieles aufgerüttelt worden. Symbole der Kirche, wie in früheren Jahrhunderten überall angebracht und allen bekannt und geläufig, sind uns heute fremd. Wir sind abgestumpft und haben den inneren Kontakt verloren. Heute aber zieht es uns wieder mehr dahin, ins Innere hineinzuschauen. Ich hoffe, dass ich mit meiner Arbeit dazu beitrage.

Hier nur einige Merkmale:
Der Auferstandene - der Längsbalken.
Die uns einladenden Arme - der Querbalken.
Die große Herzwunde - Herz Jesu.
Sicher wird mancher meine Arbeit ablehnen und entschieden „nein“ dazu sagen. Das ist anfangs immer so. Das weiß ich. Damit habe ich schon sehr viel erreicht. Er wird angesprochen - er lehnt ab. Er wird wieder angesprochen, er wird gezwungen, sich damit zu befassen. Langsam tritt meine Arbeit in den Hintergrund. Das Thema tritt an die Stelle.
So hoffe ich, dass auch diese, unsere gemeinsame Arbeit, viele Jahre der Gemeinde Großräschen und allen Besuchern ein ständiger Helfer sein wird.“

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