Osterbotschaft

Bild: Christine Limmer In: Pfarrbriefservice.de

Christus ist auferstanden und Er ist wahrhaft auferstanden. Halleluja

Liebe Gemeinde,

wie üblich können wir uns nicht in diesem Jahr treffen am Hochfest der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus . „Eine Pandemie kennt keine Feiertage“, sagte unsere Bundeskanzlerin. Der Oster-Jubel über die Überwindung des Todes , die Prozession, die festliche Heilige Messe, all das fällt leider dieses Jahr aus. Trotzdem wünsche ich Ihnen ein gesengtes, gnadenreiches Osterfest. Das heutige Evangelium gibt uns Kraft und Orientierung unsere jetzige Situation zu überwinden.

Impuls zum Evangelium : Mt 28, 1-10

Der evangelische Theologe Paul Tillich erzählt von einem Juden, der zum Nürnberger Kriegsverbrecherprozess als Zeuge geladen war. Der Jude hatte eine Zeit lang im Grab eines jüdischen Friedhofs in Wilna gelebt. Es war das einzige Versteck, wo er leben konnte, nachdem er der Gaskammer entronnen war. Während dieser Zeit schrieb er Gedichte, und eines davon war die Beschreibung einer Geburt. In einem Grab, ganz in seiner Nähe, gebar eine junge Frau einen Sohn. Der 80-jährige Totengräber, in ein Leichentuch gehüllt, half bei der Geburt. Als das neugeborene Kind seinen ersten Schrei ausstieß, betete der alte Mann: „Großer Gott, hast du endlich den Messias zu uns gesandt? Denn wer anders als nur der Messias selbst könnte in einem Grab geboren werden?"

Wir aufgeklärten Menschen können es tausendfach belegen: Ein Grab ist ein Loch für die Toten, kein Schoß für die Lebenden. Wie viele Angehörige, Freunde, Nachbarn sind in diesen Tagen in Italien, Spanien und in Amerika, auch in Deutschland wegen der Corona-Krankheit gestorben. Es war bitterer Schmerz und unter einer Flut von Tränen wurden sie begraben. Wie oft haben wir uns gesagt: „Jetzt ist alles vorbei; nichts mehr kann unser Herz erfreuen. Wer könnte auch so stark sein wie der Tod? Kann es eine Liebe geben, die uns zu trösten vermag?" Das heutige Evangelium ist eine richtige Antwort dafür. Jesus hat den Tod und die Sünde besiegt.

Der Dichter Alois Albrecht gibt uns einen Rat, den wir in diesen Ostertagen bedenken könnten: Wenn dich einer fragt: Glaubst du an das leere Grab, glaubst du an die Auferstehung und das neue Leben Jesu? Dann sag nicht sofort Nein oder Ja. Wir sollten in Ruhe darüber nachdenken. Nur wenn unsere Antwort überzeugend ist, kann sie unser Leben tragen - sogar über das Grab hinaus. Deutet das leere Grab darauf hin, dass erstmalig einer im Grab geboren wurde? Der Dichter gibt uns Entscheidungshilfen, indem er unterschiedliche Konsequenzen aufzeigt: Mach dir bewusst, dass ein Nein, dann dein Leben in die Enge treibt, deren Schlusspunkt der Tod ist. Die Enge des Lebens besteht darin, dass wir dann nur noch im Diesseits leben können. Weil unsere Zeit mit dem Tode endet, müssen wir alles krankhaft mitnehmen, alles auskosten, was sich uns bietet. Am Ende steht der Tod. So ein Leben ist kurz und egoistisch ohne ewige Perspektive.

Der Dichter zeigt aber noch eine andere Möglichkeit auf: Mach dir bewusst, dass ein Ja dein Leben in eine Weite führt, deren Ende Gott ist. Das Grab kann auch der Schoß der Mutter sein, die uns das Leben schenkt. Mit diesem Leben wird uns eine Hoffnung gegeben, die von einer nie endenden Zukunft spricht. Der Glaube an die Auferstehung öffnet unser Leben in eine unbeschreibliche Weite; alles, was uns widerfährt, sehen wir in einem anderen Licht. „Wovor willst du stehen?", fragt der Dichter. „Wie kannst du sinnvoll leben?" Und so antwortet er: „Du kannst dich für ein Nein entscheiden und zittern. Ich habe mich für das Ja entschieden und singe. „

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Jugendliche und Kinder, wir brauchen einen festen Glauben an unseren auferstandenen Herrn. Er befreit uns von Angst, Egoismus und allen widrigen Umstände. Der Heilige Papst Johannes Paul II. war ein Vorbild für uns im Glauben. Er wusste ganz genau, dass unser irdisches Leben ein Pilgerweg zum großen himmlischen Osterfest ist: zur Umarmung Gottes. Darum sagte er im Sterbebett: „Ich bin froh, seid ihr es auch. Ich gehe zum himmlischen Vater“. Auf diese Begegnung müssen wir uns vorbereiten, wir müssen uns reinigen, uns von Stolz und Egoismus befreien, die jeder von uns kennt, um in der Lage zu sein, IHN, der die unendliche Liebe ist, zu umarmen. Der heilige Johannes Paul II. begegnete seinen Leiden mit dieser Gesinnung, und auch in den dunkelsten Momenten (wie etwa beim Attentat) hat er nie seine Seelenruhe verloren. Warum? Weil er immer das Ziel des Lebens vor Augen hatte. Es gibt heute ein Mangel an diesem persönlichen Glauben an unserem auferstandenen Herrn. Deshalb geraten viele bei Leid in Verzweiflung, sie sind nicht in der Lage, über den Schmerz hinaus zu sehen.

Wir sollen Gott in jeder Situation vertrauen. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem Tag. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen die Zuversicht, Geborgenheit des Osterfestes.

Im Gebet und in herzlicher Verbundenheit

Ihr Pfarrer Thomas

 

Was lehrt uns dieser „lock down? „ die eingeschränkte Situation ?

Diese Corona Krankheit erinnert uns daran, dass wir alle gleich sind, unabhängig von Kultur, Religion, Beruf, finanzieller Situation oder wie berühmt wir sind. Diese Krankheit behandelt uns alle gleich. Sie hat die Menschlichkeit uns näher gebracht.

Sie erinnert uns daran, dass wir alle miteinander verbunden sind. Wenn etwas eine Person betrifft, kann es Auswirkungen auf eine Andere haben. Dieser Virus benötigt keinen Reisepass.

Diese Krankheit erinnert uns daran, wie wertvoll unsere Gesundheit ist. Wir sollen darauf achten, dass unsere Essgewohnheiten mäßig sind und unser von Gott geschenkten Körper nicht durch kontaminiertem Wasser und Luft vergiften.

Diese Krankheit lehrt uns den Reichtum für wichtige Zwecke zu verteilen. Die Summe für enorme Waffenproduktion und die Militärausgaben sind nun in die Gesundheitsversorgung verlagert.

Sie brachte uns zum Schöpfer, zum Gebet und zur Besinnung. Sie erinnert uns an die Kürze des Lebens und an das, was für uns wichtiger ist, nämlich einander zu helfen, insbesondere diejenigen, die alt und krank sind. Unser Ziel ist es nicht, immense Toilettenpapierrollen zu kaufen.

Sie erinnert uns daran, wie materialistisch unsere Gesellschaft geworden ist. In dieser Zeit wissen wir, was wir wirklich brauchen und was das notwendige ist, im Gegensatz zu Luxus, den wir manchmal unnötig schätzen. Wir sollen im Einklang mit Gott, Menschen, sich selbst und Natur leben lernen.

Corona- Krankheit lässt uns jetzt zu Hause bleiben und ein einfaches Leben führen. Sie erinnert uns daran, wie wichtig unser Familien- und Privatleben ist und wie sehr wir es vernachlässigt haben. Es zwingt uns zurück in unsere Häuser, um unsere Familienbeziehung zu stärken.

Sie erinnert uns daran, dass unsere wahre Arbeit nicht unsere Aufgabe ist. Unsere wahre Aufgabe ist aufeinander aufzupassen, sich gegenseitig zu schützen und einander zu bereichern.

Diese Viruskrankheit erinnert daran, unser Ego zu überprüfen. Egal wie großartig wir uns fühlen, ein Virus kann unsere Welt zum Stillstand bringen, so klein sind wir. Anstatt Hochmut brauchen wir Demut und Einheit.

Sie lehrt uns Geduld zu üben. Wir beten und hoffen zuversichtlich, dass diese Zeit vergehen wird. Darum geraten wir nicht in Panik, die uns folglich mehr Schaden als Nutzen zufügt.

Vertraut auf dem Herrn. Er ist unsere Zuflucht und Burg. Er hat Tod und Sünde - alle Brüche der Menschheit – überwunden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Er bringt alles zum Guten. So wünsche Ihnen die Zuversicht, Geborgenheit des Osterfestes.

Im Gebet verbunden

Ihr Pfarrer Thomas

Hinweis:

Osterkerzen sind Zeichen des auferstandenen Herrn Jesus Christus, der unser Licht ist.
Wer keine Osterkerze bekommen hat, kann noch aus dem Vorraum der Kirche diese käuflich erhalten. Eine Kasse des Vertrauens steht bereit. Die Kirche ist tagsüber geöffnet.